Olfs Computer Zoo
DEC VAX Systeme
DEC? Das sind doch die mit VMS
Genau. Die VAX ist der Höhepunkt der CISC Architektur, und läuft gerne unter VMS. Die Familie der VAXen ist weitläufig, von Desktop Maschinen bis zu mehrschänkigen Ungeheuern. Die MicroVAX ist ein säteres Modell und gehört - auch schon optisch - zu den kleineren VAXen.

Während die CPUs der frühen Maschinen - wie der klassischen VAX 11/780 noch mehrere Platinen füllten, ist für die MicroVAXen eine CMOS Implementation der VAX Architektur in einen Chip gestopft worden. Der CVAX genannte Chip läuft in der 3300 mit 10MHz getaktet und hat 1kB(!) Cache zur Seite. Mit 4MB ist der Speicher luxuriös ausgebaut - der Maschinencode der VAX ist extrem dicht.

Um den CVAX Chip mit der damaligen Technologie realisieren zu können, wandte DEC einen Kunstgriff an: Die CPU implementiert nur die häufigsten der vielen Instruktionen des VAX Befehlssatzes - der Rest läst einen Trap aus und wird in Software simuliert.
Quadratisch, praktisch, gut.
Die MicroVAX 3300 mit VT-320
Auch mechanisch sticht die 3300 aus der Masse heraus - welcher Computer sieht schon aus wie ein Blumenständer. Die Grundfläche des Gehäuses ist beinahe quadratisch, mit unten angeflanschten Rollen. Bei etwa einem Meter Höhe könnte man prima einen Blumentopf oder eine Vase draufstellen.

Besser kommt allerdings ein Terminal - mein VT-320 verträgt sich prima mit der VAX. Mittlerweile habe ich auch eine US Tastatur, das vereinfacht das Leben wesentlich.

Oben hinter der Abdeckung befinden sich die Laufwerke. Links sind zwei 300MB DSSI Platten auf dicken Gummistöpseln gelagert. DSSI ist eine frühe inkompatible SCSI Spielart. Es handelt sich um 5.25" Geräte mit halber Bauhöhe. Eins hätte noch Platz.

Das Frontpanel davor bietet für jedes der drei möglichen Laufwerke eine Fehler-LED, einen Schreibschutzschalter (mit LED) und einen Bereitschaftsschalter (mit LED). Darunter sind der Restart/Run und der Halt Taster sowie die Power LED.

Vor das Frontpanel kann von unten eine Schutztür aus halbtransparentem Plexiglas geschoben werden, durch die dann die LEDs leuchten.
Compaq Tape? Nein - CompacTape!
Rechts oben sieht man das CompacTape Laufwerk. Die Dinger sind die Urväter der modernen DLT (Digital Linear Tape) Laufwerke. Das Teil bringt ganze 90MB auf den Kassetten unter. Die Medien sehen exakt wie DLT Kassetten aus, an den mechanischen Specs hat sich also nix geändert.
CompacTapes
Originell ist die Kasettentechnologie. Um Platz für die Leerspule zu sparen, befindet sich nur das aufgewickelte Band in der Kasette. Vorn ist eine Fangöse dran, und das Laufwerk zieht daran das Band raus und fädelt es in die Mechanik ein. Da das alles überaus kompliziert ist, muß man bei Bandwechsel aufpassen die Reihenfolge einzuhalten: Taste drücken, warten bis die LED ausgeht, Verriegelung öffnen, Kassettte raus, neue Kassette rein, Verriegelung zu, Taste drücken, warten bis die LED dauerleuchtet, fertig.
Bei VMS ist alles anders
Als Betriebssystem für diese VAX kommt zur Zeit nur VMS in Frage. NetBSD unterstützt die DSSI Platten nicht und die "klassischen" V7 Binaries von DEC/Compaq/HP wollen auch "klassische" Hardware sehen, also eine VAX 11/750 oder so. Das ist für einen Unix Mann natürlich hart. Denn unter VMS ist alles anders ... seufz.

So ist es mir am Anfang nicht gelungen die Maschine sauber runterzufahren, obwohl ich bereits shutdown.com gefunden hatte. Wer kann denn schon ahnen, das das ein DCL Script ist, und daher mit @shutdown aufgerufen werden muß. Mittlerweile hab ich die Doku im Netz gefunden, und auch ein paar Originalhandbücher ausgeborgt.

Außerdem ist VMS extrem labertaschig. Optionen werden mit "/" eingeleitet (wo hab ich das schon mal gesehen). Das sieht dann so aus:
BACKUP/VERIFY/LOG *.LIS MFA0:LIST.BCK
Sichert alle Dateien vom Typ LIS auf Laufwerk MFA0 unter der Bezeichnung LIST.BCK, mit Überprüfung und Ausgabe. Also kurz gtar cvWf /dev/rmt0 *.lis

Andererseits kann VMS wieder eine ganze Menge interessanter Dinge. Das Filesystem kann von Natur aus verschiedene Versionen einen Files verwalten, die Sicherheitsmaßnahemen sind vielfältig und ausgefeilt, ebenso die Möglichkeiten des Accounting.

Es ist sogar ein TCP/IP Stack dabei, der zwar ganz anders konfiguriert wird, aber mittlerweile ist die Machine voll ins Netz integriert.